Erfolgreiches Bieten in No Limit Hold'em
Deine Einsätze sind in Texas Hold'em so wichtig wie deine Karten – auch wenn dies für Anfänger oft schwieriger zu meistern ist.
Das Schlimmste für Neulinge ist meist, bei einer Hand, die man mit Sicherheit gewonnen hätte, nicht mithalten zu können bzw. bei einem schwachen Blatt zu lange mitzubieten. Eine gute Strategie kann diese Situationen zwar nicht komplett eliminieren – schließlich gehören sie zum Spiel dazu. Sie kann dir jedoch helfen, selbstbewusster zu spielen und mehr zu gewinnen.
Sehen wir uns zunächst einige normale Spielbedingungen für No Limit Hold'em an und wie man bei tight-aggressiver Spielweise bietet.
Bieten vor dem Flop
Du hast also eine Hand, die du spielen möchtest... was nun? Während die anderen setzen und du gekonnt mit deinen Chips spielst, solltest du dich fragen: "Was möchte ich mit meinem Gebot erreichen?"
Drawing Hands
Bei Karten, die zu einer starken Hand werden könnten (kleine Pocket-Paare, Suited Connectors, Flush Draws, Straight Draws oder eine marginale Hand wie K-J offsuit) lautet die richtige Antwort: Nichts. Du möchtest nicht bieten (es sei denn, es ist ein Bluff). Du möchtest den Flop möglichst günstig sehen, um herauszufinden, ob du damit deine Hand verbessern kannst. Geh also bei den Blinds mit, eventuell mit einem kleinen Raise vor dem Flop.
Großes As und Spitzenpaare
Bei Spitzenpaaren und einem Großen As verfügst du bereits über eine starke Hand und möchtest deshalb verhindern, dass andere ihr Blatt ebenfalls verbessern. Hier lohnt sich ein Preflop-Raise. Damit schlägst du Spieler mit marginalem Blatt aus dem Rennen, sodass nur noch ein oder zwei andere Gegner nach dem Flop übrig sind. Dies reduziert die Gefahr von Straßen, Flushes, obskuren Zweierpaaren und ähnlichem von Limpern, die gerade mal mitgehen.
Die Höhe des notwendigen Preflop-Raise hängt von den Spielbedingungen ab. Denke daran, dass du die Konkurrenz nur etwas eingrenzen und nicht gänzlich verschrecken willst (obwohl es besser ist, mit zwei Assen die Blinds einzustreichen als von einem Limper ausgebootet zu werden, der zwei Paare floppt). Viele Spieler nutzen ein Vielfaches des Blinds, wenn sie vor dem Flop erhöhen; sie multiplizieren beispielsweise den Big Blind mit einem Wert zwischen zwei und vier. Bei einem Big Blind von 30 in einem Turnier würde der Preflop-Raise also zwischen 60 und 120 liegen. Das Multiplizieren des Blinds ist eine wirkungsvolle Strategie, denke jedoch daran, nicht jedes Mal dieselbe Summe zu setzen.
Slowplay
Das Slowplay (dt. Langsames Spiel) kann man sich als eine Art "Anti-Bieten" vorstellen. Ziel ist es, den Mitspielern Schwäche vorzugaukeln, indem man trotz starker Hand schiebt (checkt) oder nur einen geringen Betrag setzt. Wenn sie dann mit einem Bluff reagieren oder trotz schlechtem Blatt ein Gebot bringen, drehst du ihnen mit einem hohen Gebot das Wasser ab.
Manche Spieler verwenden das Slowplay schon vor dem Flop, indem sie beispielsweise bei Pocket-Assen vor dem Flop mitgehen und nach dem Flop ein hohes Gebot auffahren. Bei normalem Spiel ist dieses Vorgehen ziemlich riskant. Man kann zwar einen Spieler, der ein hohes Paar gefloppt hat, dazu verleiten, bei einem großen Gebot mitzugehen, ist aber gleichsam gefährdet durch Limper, die zwei Paare, Sets usw. floppen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres beim Poker, als mit A-A rausgeworfen zu werden.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass man das Slowplay nicht beherrschen sollte. Wenn man beispielsweise bei einem Flop von A, A, J mit der Starthand A-J inaktiv bleibt, kann man darauf hoffen, dass die Asse und der Bube das gegnerische Blatt verbessern und dieser annimmt, dass dein Blatt sich nicht verbessert hat.
Slowplay ist besonders wirkungsvoll bei Spielern die loose oder extrem aggressiv spielen; sie sind oft die ersten, die gegen dich bieten oder bluffen, insbesondere wenn du vor ihnen gecheckt und damit Schwäche gezeigt hast. Auch Gegner, die tight spielen, sind ein dankbares Ziel für ein Slowplay. Sie wollen keine unnötige Action, bevor sie nicht ihr Blatt zusammen haben.
Denke jedoch immer daran, dass Slowplay genauso gefährlich ist wie das Bieten zu hoher Einsätze (Overbets). Um diese Strategie wirkungsvoll einzusetzen, musst du die Wahrscheinlichkeit kennen, mit der eine Karte aufgedeckt wird, die einem anderen Spieler den Sieg beschert, und einen kühlen Kopf bewahren, falls dies geschieht.
Re-Raise
Ein Re-Raise sorgt stets für Aufregung am Tisch. Wie die Blicke zweier Schlägertypen in einer Bar, so signalisiert ein Re-Raise einen bevorstehenden Zweikampf und führt dazu, dass sich bald Publikum um einen schart. Was bedeutet es jedoch, wenn jemand den eigenen Einsatz überbietet? Wann sollte man selbst den Einsatz eines anderen mit einem Re-Raise erhöhen?
Betrachten wir das Ganze am besten aus der Perspektive eines Spielers, der dich mit einem Re-Raise herausfordert. Als Einsteiger wirst du vermutlich häufiger einen Re-Raise erleben als ihn selbst ausführen.
Nehmen wir folgendes Szenario: Du bist am Button, und niemand hat vor dem Flop erhöht. Alle anderen Spieler haben geschoben und du bietest als Letzter. Du hast ein hohes Paar aus einem Ragged Flop erhalten, zum Beispiel Karo 6, Kreuz 10 und Herz 2.
Klar, dass du einen hohen Einsatz gehst. Doch ehe du dich versiehst, wird dein Einsatz am Big Blind mit einem Re-Raise verdoppelt. Was hat das zu bedeuten?
Ein Re-Raise zu diesem Zeitpunkt kann viele Dinge bedeuten, erwäge also alle Möglichkeiten. Vielleicht erkennst du auch Situationen, in denen du zukünftig selbst zu einem Re-Raise greifen möchtest...
Hält er das Ganze vielleicht für einen Bluff?
Es kommt häufig vor, dass Spieler auf dem Dealerbutton versuchen, den Pot zu stehlen, nachdem alle anderen geschoben haben. In diesem Fall könnte der Re-Raise des Big Blind bedeuten "Ich weiß, was du vorhast!" Insbesondere Spieler auf dem Big Blind reagieren in dieser Situation, da sie nicht schwach wirken wollen. Denke daran, dass selbst solide Spieler manchmal zu bluffen scheinen, wenn sie in den letzten Runden viele Pots geholt haben. Wenn du glaubst, dass dies der Fall ist, solltest du mitgehen – schließlich hast du eine starke Hand. Schiebt er nach dem Turn, kannst du ihn mit einem ähnlichen oder etwas höheren Einsatz sicher aus dem Rennen werfen. Wenn nicht, solltest du vorsichtig sein.
Er könnte dir eine Falle stellen.
Erfahrene Spieler wissen, dass ein Re-Raise einen Gegner auch verärgern kann und er es einem vielleicht mit einer Overbet heimzahlen möchte. Hältst du ein hohes Paar wie im obigen Fall, solltest du der Versuchung widerstehen, noch einen Re-Raise oder gar alles zu setzen; darauf könnte er gerade spekulieren. Sieh dir den Spieler genau an. Sei vorsichtig, wenn du nicht schlau aus ihm wirst. Wenn er am Turn checkt, gehst du beim Re-Raise mit und bietest erneut. Behandle alle weiteren großen Bets aus seiner Ecke mit Vorsicht.
Blufft er vielleicht nur?
In Texas No Limit Hold'em kann jedes Gebot ein potenzieller Bluff sein. Dennoch sollte man nie davon ausgehen, dass ein Spieler blufft, solange man ihn nicht schon dabei erwischt hat – und selbst dann könnte er die Karten diesmal auf der Hand haben. Dies ist jedoch kein Grund, ein gutes Blatt einfach wegzuwerfen. Gehe beim Re-Raise mit und setze am Turn erneut, falls er schiebt.
Denkt er, du bist auf einen Draw aus?
Dies ist im obigen Fall unwahrscheinlich, aber wenn ein Draw auf dem Tisch liegt, solltest du dies in Erwägung ziehen. Gehe beim Re-Raise mit und beurteile die Lage nach dem Flop erneut.
Hält er dich vielleicht für schwach?
Bist du in den letzten Spielen bei hohen Einsätzen oft ausgestiegen? Wenn du meinst, dass dein Gegner eine vermeintliche Schwäche ausnutzen will, dann solltest du jetzt Haltung zeigen. Gehe beim Re-Raise mit und setze nach dem Flop erneut. Biete keine Unsummen (das würde ebenfalls als Schwäche interpretiert), sondern deinen ursprünglichen Einsatz oder den Re-Raise.
Overbets
Overbets werden häufig von schwachen und unerfahrenen Spielern gesetzt. Sie deuten auf eine gewisse Trägheit hin und wer meint, so etwas gehöre zu seinem Spiel, sollte schleunigst umdenken.
Nehmen wir folgendes Szenario: Ein unerfahrener Spieler floppt einen Flush, Drillinge oder ein anderes starkes Blatt. Die anderen Spieler im Turnier haben ihn das ganze Spiel herumgeschubst, aber jetzt ist er an der Reihe! Also schlägt er zu und setzt sämtliche Chips, um es allen einmal richtig zu zeigen. Jetzt tritt einer der folgenden drei Fälle ein:
- Alle anderen Spieler passen, sodass der Pot viel kleiner ist, als wenn er ein starkes Gebot (beispielsweise in Höhe des Pots) gesetzt hätte.
- Ein Spieler mit einer noch besseren Hand zieht mit und zeigt ihm, wo's lang geht.
- Ein Schwachkopf mit mittelmäßiger Hand geht mit und verliert seine Chips an den Neuling (es sei denn, der Schwachkopf hat mehr Glück als Verstand und gewinnt am Turn oder River).
Es ist jedoch keine gute Strategie, stets davon auszugehen, dass man gegen Idioten spielt: Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Dies ist einer der Gründe, warum gute Spieler selten All-In gehen: Sie wissen genug, um sich anhand der Chipanzahl ihrer Gegner und der Größe des Pots auszurechnen, wie viel sie setzen müssen, um genug Druck auszuüben, ohne sich zu ruinieren oder andere Spieler aus dem Pot zu vertreiben. Für Anfänger gilt folgende Faustregel: Ein starkes Gebot ist halb so groß ist wie der Pot; ein sehr starkes Gebot ist genauso groß wie der Pot.
Underbets
Underbets sind genauso schlecht wie Overbets. Bei Underbets drohen dir Draws und aggressive Spieler, die deine Schwäche wittern. Da sich die meisten Underbets auf die Odds für eine bestimmte Hand beziehen, kannst du dir diese Unart leicht abgewöhnen, indem du lernst, mit Hand Odds und Pot Odds umzugehen.
Kenne deine Gegner
Bei Poker zählt das Miteinander. Wenn du immer nur auf die Karten starrst, verpasst du die Hälfte des Spiels. Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche Strategien, Stile und Einsätze. Bei einem Tisch, an dem viele Hände gespielt werden, lohnen sich eventuell höhere Wetten, um Draws aus dem Spiel zu schicken. Umgekehrt kann ein tighter Tisch ein wenig Slowplay erfordern, um Spieler aus der Reserve zu locken. Je mehr du spielst, desto mehr Erfahrungen sammelst du und siehst, wie andere mit ihren Chips umgehen.
Denke auch daran, dass Profis ihre Spielweise immer wieder bewusst ändern und sich an den jeweiligen Tisch anpassen können. Wenn sich dein Spiel entwickelt, solltest du dasselbe tun.
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